Warum Neujahrsvorsätze scheitern – und was das neunte Modul dagegen setzt
Aktualisiert: 24. Sept.

Das neunte Modul von KLUGentscheiden! beginnt mit einer Frage, bei der im Klassenraum zuverlässig alle mitgehen: Haben Sie schon einmal einen Neujahrsvorsatz nicht umgesetzt?
Entwickelt wurde das Modul im Rahmen von KLUGentscheiden! goes Saar. Während das Programm in Bayern vor allem an der Berufsorientierung ansetzt, liegt der Schwerpunkt im Saarland ausdrücklich auch auf Gesundheitsförderung und Prävention. Das neunte Modul ist der Ort, an dem dieser Schwerpunkt konkret wird.
Nicht Wissen ist das Problem, sondern Umsetzung
Für richtungsweisende Entscheidungen ist das KLUG-Modell gut geeignet: Welchen Bildungsweg gehe ich? Welches Praktikum mache ich? Solche Fragen lassen sich systematisch durchdringen — Ziele klären, Optionen entwickeln, abwägen.
Bei Gesundheit liegt der Fall anders. Kaum jemand weiß nicht, dass Schlaf, Bewegung oder Bildschirmzeit eine Rolle spielen. Trotzdem entscheiden wir uns im Alltag regelmäßig gegen das, was wir eigentlich wollen. Nicht aus Unkenntnis, sondern weil die Situation gerade eine andere Entscheidung nahelegt.
Das Modul sammelt deshalb zunächst, worum es überhaupt geht. In einer kurzen Murmelrunde tragen die Schüler:innen Alltagsentscheidungen zusammen, die ihre Gesundheit beeinflussen. Was dabei entsteht, reicht weit über Ernährung und Sport hinaus: Schlafenszeiten und Handynutzung am Abend, Substanzkonsum, Bildschirmzeit und ihr Einfluss auf Stimmung und Selbstbild, die Wahl des Freundeskreises und der Umgang mit Gruppendruck, Vorsorgeuntersuchungen, Verhalten im Straßenverkehr, die Bereitschaft, sich bei psychischen Problemen Hilfe zu holen.
Vom Angestupsten zum Anstupser
Für Situationen wie diese gibt es eine bekannte Antwort: Nudging. Steht die Salatbar gut sichtbar am Eingang der Cafeteria, greifen mehr Gäste zum Salat als zur Currywurst. Die Cafeterialeitung ist hier die Entscheidungsarchitektin — sie gestaltet die Situation, und die Gäste merken davon in der Regel nichts.
Genau hier setzt das Modul an und dreht die Rollen um. Denn meistens gibt es niemanden, der die Situation für uns gestaltet. Und bei sehr persönlichen Entscheidungen wollen wir das auch gar nicht. Ralph Keeney und Johannes Siebert haben das Konzept deshalb erweitert: Man kann seine eigene Entscheidungsarchitektin, sein eigener Entscheidungsarchitekt werden. Nicht angestupst werden, sondern sich selbst anstupsen.
Die drei Schritte dafür sind den Schüler:innen bereits vertraut: klären, worum es bei der Entscheidung wirklich geht; herausfinden, was man will; herausfinden, wie man dorthin kommt. Neu ist nur das Anwendungsfeld.
Die eine Frage, um die es geht
Der Kern des Moduls ist eine Aufgabe. Jede:r wählt eine Gesundheitsentscheidung, die ihm oder ihr persönlich wichtig ist. Dann wird in Zweierteams oder Kleingruppen überlegt: In welchen konkreten Situationen werde ich damit konfrontiert? Und was kann ich im Vorfeld tun, um diese Situationen entweder zu vermeiden oder so zu verändern, dass ich tue, was ich mir vorgenommen habe?
Damit verschiebt sich die Frage von der Willensstärke zur Gestaltung. Nicht: Wie halte ich im entscheidenden Moment durch? Sondern: Wie richte ich den Moment so ein, dass er mich nicht überfordert? Das ist der Unterschied zwischen einem guten Vorsatz und einer getroffenen Entscheidung.
Zum Schluss geht es um die nächsten Schritte, und zwar mit Fristen: Was steht in den nächsten Tagen an, was in den nächsten Wochen, was in den nächsten Monaten? Vorsätze ohne Termin bleiben Absichten.
Und wenn es allein nicht geht
Das Modul endet nicht mit dem Appell an die Eigenverantwortung. Der letzte Teil stellt Anlaufstellen im Saarland vor, die junge Menschen bei gesundheitsbezogenen Fragen mit Information, Beratung und Unterstützung begleiten — von Prävention und Ernährungsberatung über Suchtfragen und chronische Erkrankungen bis zu psychischer Gesundheit. Wer weiß, was er will, soll auch wissen, wohin er sich wenden kann.
Das Modul umfasst eine Doppelstunde, setzt die ersten acht voraus und wird derzeit an saarländischen Schulen erprobt und evaluiert. Über die Ergebnisse berichten wir hier.
Das Projekt wird mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen durch das „GKV-Bündnis für Gesundheit im Saarland“ gefördert (www.gkv-buendnis.de).



