Entscheidungskompetenz als Future Skill: Neuer Beitrag in Forschung & Lehre
Wenn Studierende ihr Fach wechseln oder ihr Studium abbrechen, werden die Ursachen meist im Studium selbst gesucht: Prüfungsdruck, mangelnde Betreuung oder eine schlechte Passung. Ein neuer Beitrag in Forschung & Lehre argumentiert, dass diese Erklärung zu kurz greift: Junge Menschen haben zu diesem Zeitpunkt bereits eine weitreichende Bildungsentscheidung getroffen – ohne je gelernt zu haben, wie man dabei fundiert vorgeht.
In der September-Ausgabe 2026 von Forschung & Lehre ist der Beitrag „Den Blick öffnen – Mit Entscheidungskompetenz durch Studium und Berufseinstieg" von Johannes Siebert erschienen.
Er greift einen Grundgedanken auf, der auch KLUGentscheiden! prägt: Für gute Bildungs- und Berufsentscheidungen brauchen junge Menschen nicht nur gute Informationen. Sie müssen auch lernen, ihre eigenen Ziele zu klären, relevante Alternativen zu entwickeln, Konsequenzen abzuschätzen und Zielkonflikte bewusst abzuwägen. Wer die eigene Situation nicht strukturieren kann, gewinnt durch mehr Information nicht automatisch mehr Sicherheit.
Deshalb macht es einen Unterschied, ob jemand fragt: „Welches Fach soll ich studieren?" oder „Welcher Bildungsweg passt zu meinen Zielen, Fähigkeiten und Lebensvorstellungen?" Erst die zweite Frage öffnet den Blick auf zusätzliche Möglichkeiten. Viele später als unpassend erlebte Entschlüsse entstehen nicht, weil Informationen fehlten, sondern weil die eigenen Ziele unklar waren.
Dass sich diese Fähigkeiten gezielt fördern lassen, ist empirisch belegt: Eine im European Journal of Operational Research veröffentlichte Interventionsstudie zeigt, dass proaktive kognitive Entscheidungsfähigkeiten durch ein gezieltes Training nachhaltig gestärkt werden (Siebert, Kunz & Rolf, 2021).
Der Beitrag plädiert deshalb dafür, Entscheidungskompetenz nicht erst dann zu fördern, wenn im Studium Probleme auftreten, sondern bereits vor dem Studium – und verweist auf konkrete Umsetzungen: ein für die Bundesagentur für Arbeit entwickeltes Training in der Berufsberatung sowie KLUGstudieren!, das die Methodik als interaktiver MOOC auf typische Studienentscheidungen überträgt.
Auch Hochschulen haben dabei eine Aufgabe: Studienorientierung sollte nicht nur Informationen über Studiengänge bereitstellen, sondern junge Menschen befähigen, diese auf die eigenen Ziele und Lebensvorstellungen zu beziehen. Entscheidungskompetenz wird damit zu einer akademischen Querschnittskompetenz und zu einem Future Skill, der weit über die Studienwahl hinaus Bedeutung hat.
Dazu gehört auch, dass ein Fachwechsel oder Studienabbruch nicht automatisch ein Scheitern ist. Entscheidend ist, ob eine solche Kurskorrektur reflektiert erfolgt – oder aus unklaren Zielen und nicht erkannten Alternativen entsteht.
Der vollständige Beitrag:
Siebert, J. U. (2026). Den Blick öffnen – Mit Entscheidungskompetenz durch Studium und Berufseinstieg. Forschung & Lehre, 9/2026, S. 56–57.
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Weiterführende Literatur:
Siebert, J. U., & Keeney, R. L. (2015). Creating More and Better Alternatives for Decisions Using Objectives. Operations Research, 63(5), 1144–1158.
Siebert, J. U., Kunz, R., & Rolf, P. (2021). Effects of decision training on individuals’ decision-making proactivity. European Journal of Operational Research, 294(1), 264–282.




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